

Vorwort des Präsidenten.
Impulse kommen von weit her


Vorwort des Präsidenten.
Impulse kommen von weit her

Jürg Schmid, Präsident
Meist kommt es anders als man denkt. Rückblickend können wir dies auch für den Schweizer Tourismus in der Post-Corona-Zeit festhalten. Fast alle Prognosen, die während der Pandemie für den Tourismus gestellt wurden, haben sich als falsch herausgestellt. Corona sei eine Zeitenwende, hiess es. Man werde nie wieder so befreit reisen, wie zuvor, meinte man. Tatsächlich: Wir erinnern uns an Lockdowns und soziale Isoliertheit sowie an darauf folgend erste zaghafte Reisebuchungen im In- und später im nahen Ausland. Doch 2023 hat uns die Realität endgültig eingeholt: Der Flughafen Zürich verzeichnet wieder Verkehrszahlen nahe an 2019. Dies trotz gestiegener Flugpreise und höherer Klimasensibilisierung. Was lehrt uns das? Man sollte in der Betroffenheitsphase einer Krise nie Prognosen machen. Und aus touristischer Sicht wissen wir nun mit Sicherheit: Fernmärkte werden weiterhin an Bedeutung gewinnen.
Zu den 2023 erfolgreichen städtischen Destinationen gehört auch Chur.

Zu den 2023 erfolgreichen städtischen Destinationen gehört auch Chur.
Fernmärkte als Wachstumstreiber
Das Reiseverhalten der Schweizer*innen ist laut Statistik fast wieder wie vor Corona. 2022 entfielen auf jede Person in der Schweiz durchschnittlich 1,6 Auslandreisen mit Übernachtungen (2019: 1,8). Ich bin überzeugt, dass es sich dabei um einen Nachholeffekt handelt. Nahreisen werden wieder in der Gunst steigen. Fakt aber bleibt, dass die Fernmärkte aufgrund der Entwicklung überproportional als Herkunftsländer zulegen werden. Die Schweizer Städte haben nicht zuletzt dank dieser Gäste 2023 fulminant abgeschlossen, und auch Graubünden ist auf Kurs. Mittelfristig geht BAK Economics davon aus, dass der Anteil der europäischen Gäste abnehmen wird, während die Fernmärkte weiter an Bedeutung gewinnen. Was heisst dies für Graubünden? Obschon wir auch künftig mit einer gegenüber 2019 höheren Nachfrage aus dem Inland rechnen dürfen (plus 10%), müssen wir in den Fernmärkten punkten.
Bereits vor der Pandemie hat Graubünden Ferien zusammen mit HotellerieSuisse Graubünden die Fernmärkte-Initiative ergriffen. Zusammen mit Partnern aus der Hotellerie bewerben wir die Märkte USA, GCC und Asien. Die positive Entwicklung der Logiernächtezahlen bestärkt uns in der intensiven Aufbauarbeit. Travel Agents, welche die Naturmetropole der Alpen im Rahmen von Fam Trips besuchen, sind begeistert. Kein Wunder: Graubünden ist der Naturkanton. Wir kombinieren Naturerlebnisse mit touristischen Infrastrukturen auf Top-Niveau. Das ist der richtige Ansatz; der Gast entscheidet bei einer Buchung nicht zuerst über das Hotel, sondern über die Erlebnisse und Attraktionen einer Destination. Deshalb müssen und wollen wir die Erlebnisangebote in Graubünden bei diesen Gästen noch stärker sichtbar machen. Sinnstiftende Erlebnisse werden zu Erinnerungen, und Erinnerungen sind die direkteste Form der Kundenbindung.
Graubünden, Paradies für Outdoor-Sportler: Trailrunner in Lenzerheide.

Graubünden, Paradies für Outdoor-Sportler: Trailrunner in Lenzerheide.
Stärkere Sommer, neue Erfahrungen
Selbst grosse Herausforderungen eröffnen Chancen. Beispiel Klima: Aufgrund der steigenden Temperaturen im Mittelmeerraum verschiebt sich die Hauptsaison dort in den Frühling und Herbst. Der Norden wird im Sommer immer attraktiver. Graubünden nutzt diesen Trend, und die Destinationen richten sich danach aus. Saisonverlängerungen und ein touristisch attraktiver Herbst sind bereits Realität. Beispiel KI: Die Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, auch den Tourismus zu verändern. Personalisierte Reiseerlebnisse, effizientere Buchungsprozesse und eine verbesserte Kundenerfahrung sind mögliche Resultate. Wir verfolgen die Entwicklung und testen immer wieder neu auf den Markt kommende Tools auf ihren touristischen Nutzen hin – auch für unsere Partner.
Letztlich bleibt der Tourismus ein Gemeinschaftswerk. Zusammen mit unseren Mitgliedern und Branchenpartnern arbeiten wir bei Graubünden Ferien für einen prosperierenden und wertschöpfungsintensiven Bündner Tourismus. Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass wir dieses Ziel in den kommenden Jahren erreichen. Weil viele der globalen, gesellschaftlichen und touristischen Trends für Graubünden spielen und weil sich der Tourismus in den vergangenen Krisen äusserst resilient gezeigt hat. Dies zumindest können wir für die Zukunft mitnehmen. Wir bedanken uns bei allen Partnern für die tatkräftige Kooperation und bei der Politik für das starke Vertrauen.
Jürg Schmid am graubünden Tourismustag im Gespräch mit Vorstandsmitglied Reto A. Wilhelm (links).

Jürg Schmid am graubünden Tourismustag im Gespräch mit Vorstandsmitglied Reto A. Wilhelm (links).